Hintergründe

Konfliktrohstoffe

Die Förderung von Rohstoffen ist häufig mit Problemen behaftet und in zahlreichen Fällen Synonym für Menschenrechtsverletzungen. Verheerende Umweltverschmutzung, Landvertreibung, Ausbeutung und lebensgefährliche Arbeit zu Hungerlöhnen sind an der Tagesordnung. Die negativen Auswirkungen des Rohstoffhandels fallen jedoch im kriegsgebeutelten Nordosten der Demokratischen Republik Kongo ganz besonders ins Gewicht. Sowohl die Regierungstruppen als auch verschiedene Rebellengruppierungen finanzieren sich durch die Kontrolle über Minen und Handelsrouten. Geldflüsse aus dem Verkauf von Mineralien finanzieren so seit Jahren einen der blutigsten Konflikte unserer Zeit, in dem etwa Massenvergewaltigung bewusst als Mittel zur Einschüchterung der Bevölkerung benutzt wird.

Über mehrere Stationen gelangen die gewonnen Erze zu Schmelzereien in verschiedenen Ländern, wo sie zu Metallen verarbeitet werden. Zinn, Tantal, Wolfram und Gold (auch als 3T+G bekannt) sind dabei am bedeutendsten für diese Region und werden deshalb als Konfliktrohstoffe bezeichnet. Ein bedeutender Teil davon wird an Elektronikfirmen auf der ganzen Welt verkauft und landet somit in deinem Smartphone, Tablet oder Computer. Die Elektronikindustrie ist mit etwa 60% der weltweiten Nachfrage für Tantal, 50% für Zinn und 8% für Gold eine Hauptnachfragerin dieser Konfliktrohstoffe.

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Arbeitsrechte

Während die Produktionsbedingungen in anderen Branchen, wie beispielsweise der Bekleidungsindustrie, seit längerer Zeit als problematisch wahrgenommen werden, geniesst die Elektronikindustrie in der Öffentlichkeit weiterhin ein relativ sauberes Ansehen. Die grossen Markenhersteller aus den USA, Europa, Südkorea oder Taiwan haben ihre Produktion jedoch oftmals beinahe komplett ausgelagert, häufig in Länder wie China, Indonesien oder Indien, mit tiefem Lohnniveau und schwachen oder faktisch inexistenten Gewerkschaften.

In den Fabriken der Zulieferbetriebe sind Missachtungen der ohnehin schon beschränkten Rechte der Arbeiterinnen und Arbeiter an der Tagesordnung. 14 Stunden Arbeit täglich, 6 Tage die Woche sind keine Seltenheit. Die bezahlten, gesetzlichen Mindestlöhne sind überdies fast immer unzureichend, um ein würdiges Leben einer kleinen Familie zu finanzieren – trotz Überstunden.
Die Unternehmen können sich diese Arbeitsbedingungen leisten. Denn es besteht ein schier endloser Strom an Arbeitssuchenden, oftmals Migrantinnen und Temporär-Arbeitende, welche kaum gewerkschaftlich organisiert und oft nicht über ihre Rechte aufgeklärt sind. Dies sind jedoch notwendige Voraussetzungen, um sich zur Wehr setzen zu können.

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Umwelt

Während der Produktion, dem Transport, der Nutzung und des Recyclings eines modernen Desktop-Computers werden etwa 1000kg CO2 in die Atmosphäre entlassen. Mit einem durchschnittlichen Schweizer Auto könnte man damit von Bern bis in die Demokratische Republik Kongo fahren. Knapp die Hälfte der Emissionen entsteht dabei durch die Produktion des Geräts und nochmals dieselbe Menge während einer durchschnittlichen Nutzungsdauer von vier Jahren. Bei den deutlich energieeffizienteren Smartphones verfällt sogar über 80% des CO2-Ausstosses auf die Produktion. Die Geräte sind oftmals nur wenige Jahre in Gebrauch und werden dann durch neuere, schnellere, schönere ersetzt.

Die durchschnittliche Nutzungsdauer eines Smartphones betrug in den letzten Jahren hierzulande weniger als 16 Monate. Alleine in der Schweiz häufen sich dadurch jährlich hunderttausende Tonnen (geschätzte 216 000 für das Jahr 2012) Elektromüll an. Dieser Müll enthält nebst wertvollen Rohstoffen wie Kupfer oder Gold auch Chemikalien, welche spätestens durch das Verbrennen der Geräte freigesetzt werden und schon in kleinsten Mengen hochgiftig sind.

Doch bereits bei der Produktion der Geräte und ihrer Bestandteile werden hochgiftige Stoffe eingesetzt. Diese können verheerende Auswirkungen auf die Umwelt sowie die Gesundheit der Fabrikarbeiterinnen und -arbeiter haben, welche damit in Kontakt kommen. Noch immer wird in China Benzol als Lösungsmittel in der Produktion von Elektronikprodukten verwendet. Die Chemikalie ist krebserregend und kann etwa Leukämie verursachen (siehe Film Who Pays The Price? The Human Cost of Electronics). Sie ist in vielen Ländern, insbesondere in Europa, längst zur industriellen Anwendung verboten. Die Arbeiterinnen und Arbeiter der Zulieferer jedoch werden nicht durch europäische Gesetze geschützt, obschon sie Smartphones, Tablets oder Computer für den europäischen Markt herstellen.

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Brancheninitiativen

Electronic Industry Citizenship Coalition (EICC) ist ein Zusammenschluss von Elektronikherstellern mit gemeinsamem Verhaltenskodex (Electronic Industry Code of Conduct) für die Elektronikfertigung.
EICC wurde 2004 gegründet und umfasst inzwischen weltweit mehr als 40 IT-Unternehmen und deren Zulieferer. Das Ziel ist es, Bedingungen in der elektronischen Herstellung zu verbessern. Die Hauptpunkte der EICC-Standards fordern, dass

  • die Arbeitsbedingungen im eigenen Betrieb sowie in der Lieferkette der Elektronikindustrie sicher sind,
  • die Arbeiter mit Respekt und Würde behandelt werden und
  • die Herstellungsprozesse umweltverträglich sind.

Der Verhaltenskodex wurde weithin in der Elektronik- und ICT-Branche als Standard für gesellschaftliche Verantwortung angenommen.
Kritische Aspekte:
Der EICC erfüllt nicht die Anforderungen der von der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) definierten Kernnormen. Der EICC stellt eigene Regeln auf; maßgeblich sind jedoch immer noch die Gesetze und Vorschriften des jeweiligen Landes.
Der EICC ist eine freiwillige Verpflichtung. Die Unternehmen sind über die Einhaltung des EICC nicht rechenschaftspflichtig. Ein weiteres Problem sind die mangelhaften Kontrollen und die allgemein schwache Durchsetzung der EICC Standards in den zahlreichen Betrieben, die an der Herstellung eines Computers beteiligt sind.

Die Global e-Sustainability Initiative (GeSi) ist ein freiwilliger Zusammenschluss internationaler Hersteller von Informations- und Telekommunikationstechnologie. Die ICT-Unternehmen haben im Jahr 2001 die Global e-Sustainability Initiative gegründet. Ziel ist die Förderung einer nachhaltigen Entwicklung der Branche. Dabei wird unter anderem mit dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) und der International Telecommunication Union (ITU) kooperiert. Die GeSI möchte die Zusammenarbeit seiner Mitgliedsunternehmen aus der Wertschöpfungskette von Informations- und Telekommunikationstechnologie und damit auch Mobiltelefonen fördern. GeSi informiert die Öffentlichkeit darüber, wie die Mitglieder sich für die Nachhaltigkeit der eingesetzten Technologien stark machen. Grundidee von GeSi ist, dass es zur Durchsetzung verantwortungsvollen Wirtschaftens, gemeinsame Anstrengungen braucht.

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